Wohnungsbaustandort Brauhaussiedlung Riesa

PROJEKTKURZBESCHREIBUNG:

Das Gelände der ehemaligen Ursteinquelle, zwischen der Poppitzer Straße und der Brauhausstraße, in Riesa war mehr als 2 Jahrzehnte eine abrissbedürftige Gewerbebrache, die bereits vor längerer Zeit von dem inzwischen verstorbenen Städteplaner Friedrich Spengelin zu einer modernen Wohnsiedlung entwickelt wurde. Nach den damals festgelegten Grundsätzen und Planungsideen hat der Projektsteuerer Dr. Gunnar Thies mit der Planungsgruppe Jung und Wunder (ABG Consulting) die Planung jetzt aktualisiert und ergänzt. Nach der inzwischen eingetretenen Besserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bau von Wohngebäuden soll das Konzept nunmehr zügig zu einem Vorhaben und Erschließungsplan entwickelt und umgesetzt werden. Grundlage dafür sind die aus dem ursprünglichen Konzept fortgeschriebenen Leitgedanken. Die Planung hat sich wie in dem ursprünglichen Konzept Spengelin weiterhin an der Brauhausstraße als Grundlinie orientiert und die Häuser Richtung Süden ausgerichtet. Lediglich dort, wo man durch Drehung einen weiteren Blick in die Landschaft erhält, wurde diese vorgenommen. Eine weitere Strukturierung erfolgt durch den befahrbaren Rundweg und die ebenfalls parallel zur Brauhausstraße angeordneten Wohnwege, die die Zugänge zu den einzelnen Stadthäusern bieten.

FLÄCHENSPAREND BAUEN

Nicht nur das BauGB und die BauNVO fordern einen sparsamen Umgang mit bebaubaren Grundstücken, sondern auch die entsprechenden Verwaltungsvorschriften der Länder. Da in Riesa andererseits insbesondere auch ein Wunsch nach Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern besteht wurde für das Plangebiet eine verdichtete Bauweise gewählt. Die Flächennutzung bleibt trotz der verdichteten Bauweise dennoch im Rahmen eines allgemeinen Wohngebietes gem. § 4 BauNVO. Die Vorgaben ermöglichen eine verdichtete Stadtlandschaft mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern die zur Poppitzer Straße durch eine Blockrandbebauung abgeschlossen wird. Flächenschonend werden zudem die Stellplätze an den Rand der Bebauung gelegt. Um dies noch effektiver zu gestalten,
wurden alle ca. 54 Stellplätze mit mittiger Erschließung geplant. Pro Wohneinheit ist mindestens ein fest zugeteilter Stellplatz vorgesehen. Die Erschließung der Häuser erfolgt durch den, nur für Müll- oder Möbeltransporte sowie für die Feuerwehr nutzbaren Rundweg, um die mittlere Gebäudegruppe, sowie durch die Wohnwege, die als wasserdurchlässige Splittwege ausgeführt werden sollen. Topographisch steigt das Gelände von der Brauhausstraße zur Poppitzer Straße um ca. 3 Meter an. Dieser Anstieg wird durch das dreigeschossige Wohngebäude an der Poppitzer Straße und die höhere Bebauung der westlich ausgerichteten Gebäude im Zentrum des Rundweges unterstrichen.

FAMILIENGERECHT

Um eine ruhige Zentrumswohnlage zu erzeugen, wird die Rundstraße als Spielstraße/Fußgängerbereich ausgebildet. Die Straße ist mehrfach geschwenkt und schafft dadurch räumliche Begrenzungen sowie Platzsituationen, die zur Stärkung des Wohncharakters beitragen. Zur Unterstützung des auch durch die Zentrumslage begünstigten Radfahrverkehrs werden Fahrradgaragen als Sammelgaragen integriert werden. Auf eine Verbindung der Stellplätze an der Poppitzer Straße zu denen an der Brauhausstraße, für den regulären KFZ-Verkehr soll verzichtet werden, um Durchgangsverkehr zu vermeiden.

UMWELTGERECHT

Neben den Grünflächen im Rundwegrandbereich und die als „grünes Zimmer“ zu verstehenden kleineren Gärten und Atriumhöfe sollen die mittleren Reihen- bzw. Townhäuser Dachgärten erhalten, welche zur Begrenzung große Pflanzwannen aus Holz bekommen sollen. Diese Pflanzwannen bilden durch die Tiefe und Höhe einen Sichtschutz für die darunterliegenden Nachbargärten. Die Wannen können die Bewohner mit Büschen, Sträuchern und Blumen als Ziergarten gestalten oder sich Nutzgärten für Obst und Gemüse anlegen (urban-gardening). Die größeren Doppel- und Einzelhäuser sollen keinen Dachgarten erhalten, da die zwischen den Wohnwegen angeordneten Grundstücke bereits gut belichtete Grünflächen haben. In den Randbereichen der Wohnsiedlung sowie an einigen zentral geeigneten Punkten sollen hochstämmige und damit weniger beschattende Bäume aus einheimischen Arten gepflanzt werden. Zur Vorbereitung wurden auf dem teilweise vor über 100 Jahren für die ehemalige Brauerei aufgeschütteten Gelände umfangreiche Bodenuntersuchungen durchgeführt. Bodenbelastungen oder Grundwasserbelastungen ergaben sich daraus schließlich nicht. Der Brunnen der ehemaligen Brauerei ist noch funktionsfähig und soll gute Wasserqualität bieten.

WOHNEN IN ZENTRALER LAGE

Dieses Wohnungsangebot muss sich in zentraler Lage befinden, um zum Einen, den größtmöglichen Betrag zur Gebietsentwicklung, durch Aktivierung bestehender kultureller, sozialer, gewerblicher und infrastruktureller Angebote zu leisten. Zum anderen ermöglicht eine zentrale Lage das Erreichen von Angeboten des täglichen Bedarfs zu Fuß oder mit dem Rad. Dies hat positive Auswirkungen auf einen komfortableren, ökologischeren und gesünderen Lebensstil der Bewohner und die ökonomische Entwicklung umgebenden Gewerbes, Dienstleistungen und kultureller Angebote. Dies entspricht auch der Erwartung der Bevölkerung, da diese die positiven Effekte und Synergien des Fuß- und Radverkehrs innerhalb der Stadt erkannt hat und sich immer mehr von der KFZ-Benutzung abwendet. In Riesa sind die Flächen zur Wohnnutzung in zentraler Lage begrenzt, sodass die Phasen der Stadtentwicklung eine sukzessive Ausbreitung in die umgebende Landschaft zeigen, was merklich zum Abnehmen der Kleinunternehmen im Einzelhandelssektor führte.

WOHNEN IM GRÜNEN

Das Wohnen umgeben von Grünflächen und Gärten, in sauberer und ruhiger Lage innerhalb der Stadt, nimmt einen besonderen Stellenwert bei der Bedarfsgerechtigkeit ein. Nicht nur durch den verstärkten individuellen Beitrag zum Umweltschutz und den Schutz von Naturräumen durch die verringerte Flächenversiegelung, sondern auch zugunsten der eigenen physischen und psychischen Gesundheit, bedarf es des beschriebenen Wohnumfelds. Das Wohnen in einem „grünen“ Umfeld hilft, die Bewohner für die Herausforderungen des Klimawandels zu sensibilisieren und bildet zugleich Schutzmaßnahmen vor extremen Naturereignissen. Das Wohnen im Grünen ist bisweilen das Privileg derer, die sich für ein Eigenheim außerhalb der Stadt entschieden haben. Die Flächeninanspruchnahme im Außenbereich der Stadt hat jedoch gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Nachteile, wie bereits beschrieben. Ein Wohnen im Grünen und in zentraler Lage schließt sich ggf. aus, da sich nur wenige Wohngebäude im Zentrum der Stadt und zugleich in der Nähe eines Parks oder ähnlichem befinden.

Sie haben Fragen, wir die Antworten